SINOPOEMS
Language
🌐 Language
LESEZEICHEN
To bookmark this poem:
Press Ctrl + D (Windows) or ⌘ + D (Mac).

Terrasse von Gaoyang: Den Frühling begrüßen inmitten von Schneeresten

Vom Silberstab der Uhr verhallt der Klang,
Erneut brennt Kerzenwachs die Nacht entlang,
Das rollend rasche Jahr trifft Herz und Sinn.
Wir winken ab das Alt', den Neujahrsgang,
Wie kurz ist doch des Daseins Frist und Rang?
Im Alter zieht mich nächtlicher Umtrieb hin –
Doch rastlos wach, von Frost und Schmerz gequält,
Schweig ich den Becher zu, der einsam zählt.
Nur Pflaumenblüten leise mich begleiten,
Die treu durch Dunkel und Verfall uns weiten.

Das junge Volk im Dorf schon Frühlingskleider trägt,
In jadegrüner Taille, wo das Gold sich prägt.
Sie rufen lüstern nach dem Ostwind her,
Da Sehnsucht weckt, die man kaum bändigt mehr.
Kann ew'ge Jugend uns den Glanz bewahren?
Genieße die Stunden, lass den Ernst uns wahren!
Erklimmen wir die Höh'n mit weitem Blick:
Wo Spüli-Schnee auf Zinnen langsam schmilzt
Und sanfte Sonn' den Gartengrund umspült.
頻聽銀籤,重燃絳蠟,年華袞袞驚心。
餞舊迎新,能消幾刻光陰。
老來可慣通宵飲,待不眠、還怕寒侵。
掩清尊。
多謝梅花,伴我微吟。
鄰娃已試春妝了,更蜂腰簇翠,燕股橫金。
勾引東風,也知芳思難禁。
朱顏那有年年好,逞豔遊、贏取如今。
恣登臨。
殘雪樓臺,遲日園林。
pín tīng yín qiān, chóng rán jiàng là, nián huá gǔn gǔn jīng xīn.
jiàn jiù yíng xīn, néng xiāo jǐ kè guāng yīn.
lǎo lái kě guàn tōng xiāo yǐn, dài bù mián, hái pà hán qīn.
yǎn qīng zūn.
duō xiè méi huā, bàn wǒ wēi yín.
lín wá yǐ shì chūn zhuāng le, gèng fēng yāo cù cuì, yàn gǔ héng jīn.
gōu yǐn dōng fēng, yě zhī fāng sī nán jìn.
zhū yán nǎ yǒu nián nián hǎo, chěng yàn yóu, yíng qǔ rú jīn.
zì dēng lín.
cán xuě lóu tái, chí rì yuán lín.
Häufig lauschend auf silberne Zählstäbchen, erneut brennend purpurne Kerzen, vergehende Jahre rollen dahin und erschrecken das Herz.
Dem Alten Lebewohl sagen und das Neue begrüßen, wie viele Augenblicke der Zeit können sie wohl zehren?
Im Alter, wie kann man an nächtliches Trinken gewöhnt sein, wartend ohne Schlaf, noch immer die Kälte fürchtend, die eindringt.
Verhüllend den klaren Becher.
Tausend Dank den Pflaumenblüten, die meinen leisen Gesang begleiten.
Benachbarte Mädchen haben bereits ihr Frühlings-Make-up ausprobiert, dazu Wespentaillen, in Eisvogelgrün geschart, Schwalbenschwänze in Gold gekreuzt.
Den Ostwind anlockend, sie wissen auch, dass duftende Sehnsüchte schwer zu zügeln sind.
Wie könnten jugendliche Teints Jahr für Jahr gut sein, prunkvollen Ausflügen frönen, den gegenwärtigen Moment gewinnen.
Nach Herzenslust in die Höhe steigen und in die Ferne blicken.
Restlicher Schnee auf mehrstöckigen Pavillons, verweilende Sonne über Gärten und Hainen.

I. Formale poetische Architektur und Metrik

Dieses Werk ist zum Song-Lyrik-Modus mit dem Titel „Terrasse von Gaoyang“ verfasst. Das Metrum folgt einer strengen, für Übergangsformen vom späten Nord- zum Süd-Song typischen zweiteiligen Struktur, die wechselnde Zeilenlängen aufweist, um das psychologische Schwanken zwischen melancholischer Reflexion und äußerem Frühlingserwachen abzubilden. Das Reimenschema wechselt dynamisch zwischen den Strophen und verwendet Reimgruppen im ebenen Ton, die eine resonante, elegische Akustik erzeugen, welche sich vortrefflich für nächtliches Grübeln eignet, das in die Tagesbetrachtung übergeht.

II. Historische Chronologie und existenzielle Impulse

Vor dem Hintergrund der südchinesischen Gelehrten-Diaspora und der melancholischen Introspektive verfassten, die vertriebene oder alternde Literaten inmitten des dynastischen Wandels prägte, fängt das Gedicht die universelle existenzielle Furcht vor der fliehenden Zeit ein. Han Ju reflektiert den Lauf der Jahre mit der scharfen Empfindsamkeit eines Gelehrten, der sich mit körperlichem Verfall, nächtlichen Schlafproblemen und dem harten Kontrast zwischen jugendlicher Vitalität und herbstlichem Altern in einer Epoche des Wandels konfrontiert sieht.

III. Zeile-für-Zeile-Exegese und Dekodierung von Anspielungen

Das Gedicht entwickelt sich von der klaustrophobischen Innerlichkeit einer schlaflosen Winternacht zur lebendigen Äußerlichkeit der Frühlingsgärten.

  • Vers 1-2 (Eröffnungscouplet): Vers 1 („Häufig lauschend auf silberne Zählstäbchen, erneut brennend purpurne Kerzen“) etabliert ein nächtliches Kammerszenario, in dem die Zeit künstlich durch schmelzendes Wachs und Wasseruhr-Stäbchen gemessen wird, während Vers 2 („vergehende Jahre rollen dahin und erschrecken das Herz“) den zentralen psychologischen Schock der unerbittlichen zeitlichen Schnelligkeit einleitet.
  • Vers 3-4 (Erster antithetischer Bogen): Vers 3 („Dem Alten Lebewohl sagen und das Neue begrüßen“) beschwört das zyklische Neujahrsfest und kontrastiert gesellschaftliches Feiern mit der inneren Erschöpfung des Dichters, während Vers 4 („wie viele Augenblicke der Zeit können sie wohl zehren?“) den ultimativen Wert flüchtiger Festlichkeiten hinterfragt.
  • Vers 5-6 (Zweiter antithetischer Bogen / Klimax): Vers 5 („Im Alter, wie kann man an nächtliches Trinken gewöhnt sein“) hebt körperliche Gebrechlichkeit hervor, während Vers 6 („wartend ohne Schlaf, noch immer die Kälte fürchtend, die eindringt“) das akute Unbehagen nächtlicher Isolation und schwindender Gesundheit einfängt.
  • Schlussverse: Vers 15 („Restlicher Schnee auf mehrstöckigen Pavillons, verweilende Sonne über Gärten und Hainen“) bietet eine erhabene visuelle Auflösung, indem er die kalten Überbleibsel des Winters der wohlwollenden Wärme einer vorrückenden Frühlingssonne gegenüberstellt.

IV. Kulturalle Symbolik und Schlüsselmetaphern

Das Gedicht stützt sich auf tiefgründige traditionelle Bildsprache, um emotionale Zustände ohne direkten Didaktismus auszudrücken.

  • Pflaumenblüten: In Vers 10 („Tausend Dank den Pflaumenblüten, die meinen leisen Gesang begleiten“) dient die Winterpflaume als der ultimative moralische und ästhetische Gefährte, der unerschütterliche Integrität und trostlose Schönheit angesichts beißender Kälte symbolisiert.
  • Frühlingskleidung und Make-up: Die Verse 11-12 („Benachbarte Mädchen haben bereits ihr Frühlings-Make-up ausprobiert, dazu Wespentaillen, in Eisvogelgrün geschart“) verwenden lebendige Farbtöne, um unbefleckte jugendliche Vitalität und den unerbittlichen Erneuerungszyklus darzustellen.
Link in die Zwischenablage kopiert!