SINOPOEMS
Language
🌐 Language
LESEZEICHEN
To bookmark this poem:
Press Ctrl + D (Windows) or ⌘ + D (Mac).

Gesang von der Pfauenblütenquelle

Ein Fischerboot folgt stetig dem Strom durch Berg und Hain,
wo Pfirsichblüten Ufer säumend in die Fluten schrein.
Er sitzt und schaut auf rote Wälder, fern von Raum und Zeit,
bis dass der grüne Bach versinkt in Einsamkeit.

Er dringt durch enge Bergschlucht vor, im tiefen Dämmerlicht,
bis plötzlich sich der Fels auftut und flaches Land anbricht.
Fern zieht ein Hain aus Wolkenbäumen seinen stillen Kreis,
und nah erscheint ein Tausend Häuser unterm Blütenweiß.

Der Holzfäller nennt seine Ahnen aus der Han-Epochen-Zeit,
indem noch Qin-Gewänder weilen in der Ewigkeit.
Gemeinsam wohnen sie in Wuling, fern vom irdischen Bann,
wo stiller Ackerbau gedeiht auf reinem Grund und Tann.

Unterm hellen Mond und Piniendach ruht jede Kammer still,
während am Morgen durch die Wolken Hahn und Hündlein schrill.
Verwundert, dass ein fremder Gast betritt ihr Wunderland,
geleiten sie ihn heim zum Tisch und fragen nach dem Land.

Im Morgengrauen kehrt man Hof und fegt das Blütenblatt,
am Abend kehren Fischer heim aus dieser stillen Stadt.
Um dem Tumult der Welt zu fliehn, floh einst der Ahn dorthin,
und blieben als Unsterbliche auf diesem stillen Sinn.

Wer in den Schluchten ahnt den Schmerz der irdischen Gestalt,
wenn ferne Welt nur Wolken sieht und Nebel überm Wald?
Doch selbst im reinen Geisterreich, wo Frieden tief und rein,
sehnst du das staubge Herz zurück in deine Heimat ein.

Er verlässt die Höhle, unbekümmert um das Wasser fern,
zu finden dieses Wunderland gelobt er sich so gern.
Er glaubt, der frühere Pfad sei klar, den man nie mehr verliert,
doch wie sich Berg und Schlucht gewandelt, hat den Sinn verwirrt.

Er merkte nur, wie tief er einst drang in den Bergschatten ein,
wie mancher Windung Bogen führt in jenen Wolkenhain.
Nun kommt der Frühling, und es strömt das Pfirsichblütenwasser,
wo ruht der Quell der Unsterblichen? Findet ihn ein Verfasser?
漁舟逐水愛山春,兩岸桃花夾去津。
坐看紅樹不知遠,行盡青溪不見人。
山口潛行始隈隩,山開曠望旋平陸。
遙看一處攢雲樹,近入千家散花竹。
樵客初傳漢姓名,居人未改秦衣服。
居人共住武陵源,還從物外起田園。
月明松下房櫳靜,日出雲中雞犬喧。
驚聞俗客爭來集,競引還家問都邑。
平明閭巷埽花開,薄暮漁樵乘水入。
初因避地去人間,及至成仙遂不還。
峽裏誰知有人事,世中遙望空雲山。
不疑靈境難聞見,塵心未盡思鄉縣。
出洞無論隔山水,辭家終擬長遊衍。
自謂經過舊不迷,安知峯壑今來變。
當時只記入山深,青溪幾曲到雲林。
春來遍是桃花水,不辨仙源何處尋。
yú zhōu zhú shuǐ ài shān chūn, liǎng àn táo huā jiā qù jīn.
zuò kàn hóng shù bù zhī yuǎn, xíng jǐn qīng xī bú jiàn rén.
shān kǒu qián xíng shǐ wēi ào, shān kāi kuàng wàng xuán píng lù.
yáo kàn yì chù cuǎn yún shù, jìn rù qiān jiā sàn huā zhú.
qiáo kè chū chuán hàn xìng míng, jū rén wèi gǎi qín yī fú.
jū rén gòng zhù wǔ líng yuán, hái cóng wù wài qǐ tián yuán.
yuè míng sōng xià fáng lóng jìng, rì chū yún zhōng jī quǎn xuān.
jīng wén sú kè zhēng lái jí, jìng yǐn hái jiā wèn dū yì.
píng míng lǘ xiàng sào huā kāi, bó mù yú qiáo chéng shuǐ rù.
chū yīn bì dì qù rén jiān, jí zhì chéng xiān suì bù hái.
xiá lǐ shuí zhī yǒu rén shì, shì zhōng yáo wàng kōng yún shān.
bù yí líng jìng nán wén jiàn, chén xīn wèi jìn sī xiāng xiàn.
chū dòng wú lùn gé shān shuǐ, cí jiā zhōng nǐ cháng yóu yǎn.
zì wèi jīng guò jiù bù mí, ān zhī fēng hè jīn lái biàn.
dāng shí zhǐ jì rù shān shēn, qīng xī jǐ qū dào yún lín.
chūn lái biàn shì táo huā shuǐ, bù biàn xiān yuán hé chù xún.
Fischerboot verfolgt Wasser liebend Berg-Frühling, zwei Ufer Pfirsichblüten flankieren Abfahrts-F、ähre.
Sitzend beobachtend rote Bäume nicht wissend Distanz, reisend endend grüner Bach nicht sehend Person.
Berg-Mündung heimlich gehend beginnend sich windend tief, Berg öffnend weit blickend bald flaches Land.
Fern blickend ein Ort sich sammelnde Wolken-Bäume, nah eintretend tausend Familien verstreuende Blume Bambus.
Holzfäller zuerst übermittelnd Han Familiennamen, bewohnende Leute nicht ändernd Qin Kleidung.
Bewohnende Leute zusammen lebend Wuling Quelle, immer noch von Dingen draußen erhebend Felder Gärten.
Mond scheinend Kiefer unter Kammern Fenster ruhig, Sonne aufgehend Wolke inmitten Hühner Hunde lärmend.
Erstaunt hörend vulgärer Gast wetteifernd kommend versammeln, eifrig führend zurückkehrend Heimat fragend Hauptstadt.
Dawn klar Gassen fegend Blumen offen, Dämmerung Holzfäller reitend Wasser hinein.
Früh wegen meidend Land verlassend menschliche Welt, erreichend werdend Unsterblicher folglich nicht zurückkehrend.
Schlucht innerhalb wer weiß Existenz menschliche Angelegenheiten, Welt innerhalb fern blickend leere Wolken-Berge.
Nicht zweifelnd spiritueller Bereich schwer hören sehen, Staub-Herz nicht erschöpft denkend Heimat Grafschaft.
Ausgehend Höhle egal trennend Berg Wasser, verlassen Familie schließlich planend lang wandern.
Selbst sagend passend alt nicht verloren, wie wissend Gipfel Schluchten jetzt kommend verändert.
Zu jener Zeit nur aufzeichnend eintretend Berg tief, grüner Bach wie viele Biegungen ankommend Wolken-Wald.
Frühling kommend überall ist Pfirsichblüten-Wasser, nicht unterscheidend unsterbliche Quelle welcher Ort suchend.

I. Formale poetische Architektur und Metrik

Dieses Werk gehört zur traditionellen altstiligen Dichtung mit sieben Schriftzeichen pro Vers, bekannt als Qi yan gu shi. Im Gegensatz zur geregelten Dichtung mit ihren strengen tonalen Auflagen und obligatorischem Mittelparallelismus erlaubt der altstilige Vers ein flexibles Reimschema, Enjambements und wechselnde narrative Tempi. Wang Wei verwendet fließende Reime, die dezent den psychologischen und physischen Weg des Protagonisten spiegeln. Das Gedicht entfaltet sich in einer kontinuierlichen erzählerischen Bewegung und balanciert Landschaftsbeschreibung mit philosophischer Reflexion.

II. Historische Chronologie und existentieller Impuls

Entstanden in der Hoch-Tang-Zeit, reflektiert dieses Gedicht Wang Weis lebenslange Verbundenheit mit buddhistischer Loslösung und daoistischer Sehnsucht nach Zurückgezogenheit. Während seiner Ämterlaufbahn im Intrigengewirr der Hauptstadt zog er sich oft auf sein Anwesen in Wangchuan zurück. Die Fabel von der Pfirsichblütenquelle, begründet von Tao Yuanming, dient hier als existentielle Meditation über die Unmöglichkeit, die profane politische Pflicht dauerhaft mit der transzendenten spirituellen Freiheit zu versöhnen.

III. Zeile-für-Zeile-Exegese und Dekodierung der Allusionen

Das Gedicht zeichnet einen kreisförmigen Erzählbogen von anfänglicher Neugier über transzendente Entdeckung bis hin zu nostalgischer Entfremdung und tragischem Verlust.

  • Verse 1-2 (Eröffnungscouplet): Vers 1 («Fischerboot verfolgt Wasser liebend Berg-Frühling») begründet den spontanen, unkalkulierten Impuls, der die Reise in die Frühlingslandschaft auslöst.
  • Verse 3-4 (Erster antithetischer Bogen): Vers 3 («Sitzend beobachtend rote Bäume nicht wissend Distanz») vermittelt die völlige Versunkenheit des Reisenden in die Naturschönheit, welche Zeit- und Raumgefühl auslöscht.
  • Verse 5-6 (Zweiter antithetischer Bogen / Klimax): Vers 5 («Berg-Mündung heimlich gehend beginnend sich windend tief») beschreibt den liminalen Übergang von klaustrophobischer Dunkelheit zu einer weiten utopischen Lichtung.
  • Schlussverse (Auflösendes Couplet): Vers 32 («Nicht unterscheidend unsterbliche Quelle welcher Ort suchend») liefert die ultimative elegische Einsicht, dass das utopische Reich nicht durch bloßen Willen wiedergefunden werden kann.

IV. Kulturelle Symbolik und Schlüsselmetaphern

Die Bildsprache dieses Gedichts ist tief im klassischen chinesischen Ästhetikvokabular verankert.

  • Pfirsichblüten: Symbolisieren sowohl die frühlingshafte Erneuerung des Kosmos als auch die illusorische, vergängliche Schönheit eines unschuldigen Reiches fern jeder menschlichen Korruption.
  • Wolkenverhangene Berge: Repräsentieren die unüberwindbare Barriere zwischen profane politischer Existenz und transzendenter spiritueller Befreiung.

V. Philosophischer Kern und globale Resonanz

Wang Wei verbindet meisterhaft buddhistische Illusionstheorien mit daoistischer Transzendenzsuche. Das Scheitern des Wiederfindens der heiligen Quelle unterstreicht die tragische menschliche Verfassung: Momente tiefster spiritueller Klarheit sind flüchtig, und das „staubige Herz“ irdischer Bindung zieht den Reisenden unweigerlich in das Labyrinth von Zeit und Erinnerung zurück.

Link in die Zwischenablage kopiert!