SINOPOEMS
Language
🌐 Language
LESEZEICHEN
To bookmark this poem:
Press Ctrl + D (Windows) or ⌘ + D (Mac).

Bringt den Wein herbei

Hast du nicht geseh'n den Strom des Gelben Flusses aus des Himmels Höh'
Sich wälzen in das Meer, auf ewig fort und nimmer mehr zu geh'?
Hast du nicht geseh'n im hohen Saal den Spiegel, der des Alters klagt,
Wie silbern Haar am Abend schneit, was morgens noch als Seide tagt?
Solang das Leben uns beglückt, schöpf' jede Freude ganz hinein,
Und lass den goldnen Becher nie dem Mond ohn' Trank gelassen sein!
Hat uns der Himmel Talent verliehn', so dient es sicher seinem Zweck,
Und ward auch tausend Gold verstreut, es kommt gewiss zu uns zurück.
So bratet Schafe, schlachtet Stier', lasst uns vergnüglich sein heute,
Und dreihundert Becher auf den Zug, dass es die Seele uns erfreue!
Meister Cen, und du, Gelehrter Danqiu,
Bringt den Wein herbei, Freunde, lasst den Strom nicht ruh'n!
Lasst mich ein einzelnes Lied euch singen,
Und bitt', dass eure Lausch-Ohr'n klingen:
Was sind schon Glocken, Trommeln, Jade-Speis', dass wir sie höher schätz'n?
Besser für immer trunken sein und niemals mehr erwachen möz'n!
Von alters her sind alle Weisen einsam nun und längst entflohn,
Nur wer getrunken, hat im Namen seinen Ruhm und Lohn.
Prinz Chen einst gastierte im Pingle-Palast in den Tagen der alten Zeit,
Mit zehntausend Münzen den Wein bezahlt in froher Heiterkeit.
Was klagt der Gastgeber heut', dass ihm das liebe Geld entrinnt?
Geh stracks und kauf' den Wein dafür, bis er uns fröhlich stimmt!
Mein fünf-Blumen-Pferd, mein Pelzmantel, der tausend Goldstücke wert,
Ruf' die Knechte, dass man sie für den edlen Wein vertauscht und verzehrt,
Dass wir zusammen schmelzen all den Kummer, den die Ewigkeit ernährt!
君不見黃河之水天上來,奔流到海不復迴。
君不見高堂明鏡悲白髮,朝如青絲暮成雪。
人生得意須盡歡,莫使金樽空對月。
天生我材必有用,千金散盡還復來。
烹羊宰牛且爲樂,會須一飲三百盃。
岑夫子,丹丘生,將進酒,君莫停。
與君歌一曲,請君爲我側耳聽。
鐘鼓饌玉不足貴,但願長醉不願醒。
古來聖賢皆寂寞,惟有飲者留其名。
陳王昔時宴平樂,斗酒十千恣讙謔。
主人何爲言少錢,徑須沽取對君酌。
五花馬,千金裘,呼兒將出換美酒,與爾同銷萬古愁。
jūn bú jiàn huáng hé zhī shuǐ tiān shàng lái, bēn liú dào hǎi bú fù huí.
jūn bú jiàn gāo táng míng jìng bēi bái fà, zhāo rú qīng sī mù chéng xuě.
rén shēng dé yì xū jìn huān, mò shǐ jīn zūn kōng duì yuè.
tiān shēng wǒ cái bì yǒu yòng, qiān jīn sàn jìn hái fù lái.
pēng yáng zǎi niú qiě wéi lè, huì xū yì yǐn sān bǎi bēi.
cén fū zǐ, dān qiū shēng, jiāng jìn jiǔ, jūn mò tíng.
yǔ jūn gē yì qǔ, qǐng jūn wéi rù cè ěr tīng.
zhōng gǔ zhuàn yù bù zú guì, dàn yuàn zhǎng zuì bù yuàn xǐng.
gǔ lái shèng xián jiē jì mò, wéi yǒu yǐn zhě liú qí míng.
chén wáng xī shí yàn píng lè, dǒu jiǔ shí qiān zì huān xuè.
zhǔ rén hé wéi yán shǎo qián, jìng xū gū qǔ duì jūn zhuó.
wǔ huā mǎ, qiān jīn qiú, hū ér jiāng chū huàn měi jiǔ, yǔ ěr tóng xiāo wàn gǔ chóu.
Siehst du nicht das Wasser des Gelben Flusses vom Himmel kommen, rasend zum Meer und niemals zurückkehrend?
Siehst du nicht die hohen Hallen hellem Spiegel trauernd um weiße Haare, morgens wie schwarze Seide abends werdend zu Schnee.
Leben Erreichen Erfüllung muss ausschöpfen Freude, lasst nicht den goldenen Becher leer dem Mond gegenüberstehen.
Himmel geboren mein Talent gewiss hat Nutzen, tausend Gold verstreut gänzlich kehrt immer noch wieder.
Kochen Schaf schlachten Ochsen vorübergehend machen Vergnügen, muss begegnen einem einzigen Trinken dreihundert Becher.
Meister Cen, Gelehrter Danqiu, bringt den Wein herbei, ihr nicht stoppen.
Mit euch singe ein Lied, bitte euch für mich neigt das Ohr hört zu.
Glocken und Trommeln und edle Speisen sind nicht wertvoll, nur wünschen lang betrunken nicht wünschen erwachen.
Von der Antike an Weisen und Tugendhafte sind alle einsam, nur es gibt Trinker die hinterlassen ihre Namen.
Prinz Chen vergangene Zeiten bankettierend in Pingle, ein Scheffel Wein zehntausend Künge frei scherzend und scherzend.
Gast warum sagt wenig Münze, stracks muss kaufen holen gegenüber euch einschenken.
Fünf-Blumen-Pferde, tausend-Gold-Pelze, rufe Söhne im Begriff herauszunehmen eintauschen feinen Wein, mit euch zusammen schmelzen zehntausend Zeitalter Kummer.

I. Formale poetische Architektur und Metrik

Dieses Meisterwerk gehört zu den Gedichten im alten Stil (gushi), insbesondere zur Balladenform des Musikamtes (yuefu) mit dem Titel „Bringt den Wein herbei“ (Jiang Jin Jiu). Anders als die streng regulierten Regeldichtungswerke (lvshi) der Blütezeit der Tang durchbricht dieses chaotische, berauschende Stück das Standardmetrik-Schema durch wechselnde Zeilenlängen – von turbulenten Sieben-Zeichen-Zeilen bis hin zu explosiven Langatm-Zeilen, durchsetzt mit ausrufenden Rhythmen –, welche die unvorhersehbaren Wogen des Gelben Flusses und den unberechenbaren, kaskadenartigen Fluss betrunkener Rede widerspiegeln. Das Reimschema wechselt fließend und fängt eine berauschende, synkopierte Musikalisierung ein, die für die dramatische Rezitation geschaffen ist.

II. Historische Chronologie und existentieller Impuls

Komponiert während Li Bais mittleren Jahren um 742–744 n. Chr., nach seiner politischen Enttäuschung am kaiserlichen Hof in Chang'an, wo er im Wesentlichen von eifersüchtigen Eunuchen und Höflingen verstoßen wurde, vibriert das Gedicht von einer trotzigen existentiellen Dringlichkeit. Vom Beamtentum abgewiesen, richtet der Dichter seinen immensen, unerfüllten Ehrgeiz auf Wein, Kamergerschaft und philosophische Transzendenz. Es verwandelt persönliche Frustration in ein universelles, brausendes Loblied auf die menschliche Handlungsfähigkeit im Angesicht kosmischer Gleichgültigkeit.

III. Zeile-für-Zeile-Exegese und Entschlüsselung von Anspielungen

  • Verse 1-2 (Eröffnungscouplet): Das Gedicht beginnt mit der hyperbolischen Vision des Gelben Flusses, der aus dem Himmel ins Meer stürzt, unmittelbar gegenübergestellt dem tragischen Spiegel des Alterns, in dem morgendliche schwarze Seide zu abendlichem Schnee wird, wodurch die epische Dimension von Zeit und Sterblichkeit etabliert wird.
  • Verse 3-4 (Erster antithetischer Bogen): Der Dichter fordert absoluten Hedonismus, der im Selbstwertgefühl wurzelt, und erklärt berühmterweise, dass das vom Himmel verliehene Talent seinen Sinn hat und Reichtum verstreut werden muss, wobei er ein Gelage von dreihundert Bechern mit seinen engen Gefährten Cen Danqiu fordert.
  • Schlussverse: Li Bai verwirft Jadetafeln und kaiserliche Gunst, hebt die einsamen Trinker der Geschichte über vergessene Weise und ruft Prinz Chen (Cao Zhi) beim Xingle-Fest an, um ungezügeltes Feiern zu legitimieren, und gipfelt im Verkauf seiner wertvollen Pferde und Pelze, um den Kummer von zehntausend Äonen aufzulösen.

IV. Ästhetische Synthese und poetischer Nachklang

Das Gedicht erreicht die ultimative Synthese aus romantischer Bravour, existenzieller Verzweiflung und ungezügelter künstlerischer Freiheit. Sein Nachklang ist von titanischem Trotz – ein langanhaltendes Echo eines einsamen Genies, das gegen die Zwänge von Sterblichkeit und Gesellschaft aufbegehrt und Li Bais unsterblichen Status als transzendenter „Dichterfürst“ festigt.

Link in die Zwischenablage kopiert!