SINOPOEMS
Language
🌐 Language
LESEZEICHEN
To bookmark this poem:
Press Ctrl + D (Windows) or ⌘ + D (Mac).

Melodie: Dame Qi – Spätherbstlicher Himmel

Spätherbstlicher Himmel.
Ein flüchtiger Nieselregen streift das Hofgeländer.
Der Chrysanthemen am Geländer dünner Kranz, die Wutongbätter im Hofe treiben im schwindenden Dunst.
So trostlos.
Ich blicke hin zu den Flussübergängen,
wo ziehende Wolken im Abendlicht verdunkeln.
Dem alten Song Yu gleich, der Schmerz empfand an diesen Wassern und an diesen Höhen.
Der Weg vor mir ist lang und fern, des Wanderers Herz ist schwer von Gram,
überdrüssig, dem fernen Rauschen der Ströme zu lauschen.
Zikaden zirpen durch welkes Laub, während Grillen das welke Gras durchdringen,
die Luft erfüllt von Herbstes Klage.
In einsamer Herberge schleppen sich die Tage wie Jahre dahin.
Der Nachtwind kühlt mit schweren Tauen, die Stunden gleiten in tiefstes Dunkel.
Der grenzenlose Himmel ist klar, der purpurne Fluss seicht und der helle Mond makellos.
Meine Gedanken weben endlos fort.
Durch diese lange Nacht angesichts der Szenerie, wie kann ich es ertragen, die Jahre zu zählen und der Vergangenheit nachzuhängen?
Ruhmlos, ranglos, treibend zwischen gemalten Gassen und roten Türmen,
ließ ich ganze Jahreszeiten verstreichen.
Der Hauptstadt Lenz und Herbst waren so hell in jugendlichen Tagen,
mit abendlichen Festen und morgendlicher Fröhlichkeit.
Umgeben damals von tollkühnen Freunden und wunderlichem Gefolge,
wo immer Lied und Wein zu finden waren, verweilten wir.
Seit dem Abschied ist die Zeit geflogen wie das Schiffchen am Webstuhl;
alte Wanderungen scheinen ein verblassender Traum über diesen grenzenlosen, nebligen Wogen.
An den Gedanken an Gewinn und Ruhm gebunden, zehrt sich mein Geist auf.
Ich jage den Schatten des Gestern nach mit hohlem, trauriger Miene.
Die Wasseruhr verrinnt, eine plötzliche Kälte kriecht durch die Luft.
Die bemalten Hörner beginnen zu schluchzen, ihre sterbenden Töne im Morgenlicht gelöst.
Am stillen Fenster lösche ich die Lampe, während der Tag anbricht,
und halte meinen einsamen Schatten durch die schlaflose Nacht.
晚秋天。
一霎微雨灑庭軒。
檻菊蕭疏,井梧零亂惹殘煙。
悽然。
望江關。
飛雲黯淡夕陽間。
當時宋玉悲感,向此臨水與登山。
遠道迢遞,行人悽楚,倦聽隴水潺。
正蟬吟敗葉,蛩響衰草,相應喧喧。
孤館度日如年。
風露漸變,悄悄至更闌。
長天淨,絳河清淺,皓月嬋娟。
思綿綿。
夜永對景,那堪屈指,暗想從前。
未名未祿,綺陌紅樓,往往經歲遷延。
帝裏風光好,當年少日,暮宴朝歡。
況有狂朋怪侶,遇當歌、對酒競留連。
別來迅景如梭,舊遊似夢,煙水程何限。
念利名、憔悴長縈絆。
追往事、空慘愁顏。
漏箭移、稍覺輕寒。
漸嗚咽、畫角數聲殘。
對閒窗畔,停燈向曉,抱影無眠。
wǎn qiū tiān
yí shà wēi yǔ sǎ tíng xuān
jiǎn jú xiāo shū, jǐng wú líng luàn rě cán yān
qī rán
wàng jiāng guān
fēi yún àn dàn xī yáng jiàn
dāng shí sòng yù bēi gǎn, xiàng cǐ lín shuǐ yǔ dēng shān
yuǎn dào tiáo dì, xíng rén qī chǔ, juàn tīng lǒng shuǐ chán
zhèng chán yín bài yè, qióng xiǎng shuāi cǎo, xiāng yìng xuān xuān
gū guǎn dù rì rú nián
fēng lù jiàn biàn, qiāo qiāo zhì gēng lán
cháng tiān jìng, jiàng hé qīng qiǎn, hào yuè chán juān
sī mián mián
yè yǒng duì jǐng, nǎ kān qū zhǐ, àn xiǎng cóng qián
wèi míng wèi lù, qǐ mò hóng lóu, wǎng wǎng jīng suì qiān yán
dì lǐ fēng guāng hǎo, dāng nián shào rì, mù yàn zhāo huān
kuàng yǒu kuáng péng guài lǚ, yù dāng gē, duì jiǔ jìng liú lián
bié lái xùn jǐng rú suō, jiù yóu sì mèng, yān shuǐ chéng hé xiàn
niàn lì míng, qiáo cuì zhǎng yíng bàn
zhuī wǎng shì, kōng cǎn chóu yán
lòu jiàn yí, shāo jué qīng hán
jiàn wū y咽, huà jiǎo shù shēng cán
duì xián chuāng pàn, tíng dēng xiàng xiǎo, bào yǐng wú mián
Spätherbsthimmel.
Ein Schauer aus leichtem Regen benetzt den Hofpavillon.
Geländer-Chrysanthemen sind karger und verwelkt, Brunnensimse-Wutongbäume ungeordnet locken bleibenden Dunst an.
Traurig.
Blickend zum Flussübergang.
Fliegende Wolken düster inmitten der abendlichen Sonne.
Zu jener Zeit fühlte Song Yu Kummer, diesem Gewässer zugewandt und Berge besteigend.
Der ferne Weg ist gewunden und lang, der Reisende ist trostlos und bitter, müde dem Long-Wasser-Murmeln zu lauschen.
Genau als Zikaden singen über gefallenen Blättern, Grillen tönen im welken Gras, sich gegenseitig erwidernd und lärmend.
Einsame Herberge, Tage verbringen sich wie Jahre.
Wind und Tau verändern sich allmählich, still zur nächtlichen Wache gelangend.
Der weite Himmel ist klar, der purpurne Fluss ist flach und hell, der strahlende Mond ist anmutig.
Gedanken sind ununterbrochen und endlos.
Die Nacht ist lang beim Anblick der Szenerie, wie kann man es ertragen, an Fingern abzuzählen, heimlich über die Vergangenheit nachzudenken.
Ohne Ruhm oder offizielle Besoldung, in gemalten Gassen und roten Türmen, oft Jahre mit Aufschub verbringend.
Die kaiserliche Hauptstadt Szenerie ist fein, damals in jugendlichen Tagen, Abendbankette und Morgenfreuden.
Zudem wilde Gefährten und exzentrische Reisende habend, auf Gesang treffend, dem Wein begegnend, verweilend und zögernd zu gehen.
Seit dem Abschied eilt die schnelle Zeit wie ein Schiffchen, alte Reisen erscheinen wie Träume, neblige Gewässer Entfernung welch Grenze.
Gedenkend an Profit und Ruhm, ausgezehrt und lange verstrickt.
Verfolgend vergangene Dinge, vergeblich düster mit traurigem Gesicht.
Die Wasseruhr-Stab wechselt, leicht spürt man geringe Kälte.
Allmählich schluchzend, gemalte Hörner einige Töne verklingen.
Dem müßigen Fenster zugewandt, die Lampe anlegend zum Morgengrauen, den Schatten umarmend ohne Schlaf.

I. Formale poetische Architektur und Metrik

Dieses Werk ist in der äußerst seltenen und langgestreckten Ci-Liedvorlage mit dem Titel „Qi Shi“ (Das Lied von Qi) verfasst, einer außergewöhnlichen Schöpfung von Liu Yong, die über zweihundert Zeichen umfasst und in drei verschiedene Strophen gegliedert ist. Als Meister der langsamen Ci-Form (Manzi) nutzt Liu Yong wechselnde Zeilenlängen, abrupte Zäsuren und konversatorische sowie tief melodische Registerwechsel. Das Reimschema moduliert über die Strophen hinweg, bewegt sich von scharfen Eintrittstönen am Anfang zu expansiven Ebenen Tönen in der zentralen Mondlichtbetrachtung und kehrt schließlich zu einer trostlosen, melancholischen Kadenz zurück, während das Morgengrauen naht. Die räumliche Bewegung des Gedichts ist ebenso wohlüberlegt: Sie beginnt mit einer intimen, klaustrophobischen Nahaufnahme eines trostlosen Hofes, weitet sich nach außen zu einer alles umfassenden, düsteren herbstlichen Landschaftferner Flussübergänge, taucht nach innen in eine quälende psychologische Introspektion über vergangene Ausschweifungen in der Hauptstadt ein und zieht sich schließlich wieder in einen einsamen Raum zusammen, in dem der Protagonist unter einer sterbenden Lampe seinem eigenen Schatten gegenübersteht.

II. Historische Chronologie und existenzieller Impuls

Während der Nördlichen Song-Dynastie verfasst, spiegelt dieses ausgedehnte lyrische Werk die späteren Jahre von Liu Yong wider, einem umherziehenden Genie, dessen Weigerung, sich den konventionellen bürokratischen Konformitäten anzupassen, ihn an den Rand gedrängt, verarmt und zwischen den Vierteln der Freuden und abgelegenen Provinzen des Reiches treibend zurückließ. Nachdem er jahrzehntelang zwischen dem glitzernden Reiz der Hauptstadt Bianjing – wo seine Lieder berühmt von jedem Mädchen von der Taverne bis zum kaiserlichen Hof gesungen wurden – und den bitteren Demütigungen kleinerer Amtsposten geschwankt hatte, gießt Liu Yong seine angesammelte existentielle Müdigkeit in dieses monumentale Klagelied. Es ist ein retrospektives Bekenntnis zu einem Leben, das an flüchtige Leidenschaften und unerfüllte Ambitionen verschwendet wurde, vor dem unerbittlichen Hintergrund des herbstlichen Verfalls und der herannahenden Sterblichkeit.

III. Zeile-für-Zeile-Exegese und Entschlüsselung von Allusionen

  • Stanza 1 (Verse 1-10): Das Gedicht beginnt mit einer filmischen Auflösung: Spätherbst, ein plötzlicher Schauer, der einen stillen Hof benetzt. Chrysanthemen am Geländer sind karg und welk, und die Paulownienbäume am Brunnen lassen chaotische Blätter durch den verweilenden Abenddunst fallen. Der Blick schweift hinaus zu fernen Flussübergängen, wo der Sprecher schwere, trübe Wolken im schwindenden Sonnenlicht hängen sieht. Liu Yong beruft sich auf Song Yu, den Inbegriff des melancholischen Dichters aus der Chu-ci-Tradition, der berühmt dafür war, Kummer zu empfinden, wenn er Wasser betrachtete und Berge bestieg. Der Reisende auf dem weiten Weg ist trostlos, müde vom Murmeln der Bäche von Long zu hören. Zikaden summen im zerstörten Laub und Grillen zirpen im schwindenden Gras, ihre Laute schwellen im Einklang an, um die quälende Länge der Isolation in einem einsamen Gasthaus zu verstärken, wo die Tage wie Jahre vergehen.
  • Stanza 2 (Verse 11-20): Mit dem Vertiefen der Nacht bringen Herbstwind und -tau eine heimliche, stille Kälte. Der weite Himmel klärt sich auf, die Milchstraße fließt blass und flach, und der helle Mond strahlt in reiner Schönheit. Die Gedanken des Sprechers dehnen sich endlos in die lange Nacht aus. Angesichts dieser leuchtenden Szenerie, wie kann er es ertragen, an den Fingern abzuzählen und heimlich über die Vergangenheit nachzudenken? Ohne Rang oder offizielles Gehalt verbrachte er seine Jugend damit, durch die gemalten Gassen und rot bemannten Vergnügungsviertel zu wandern und Jahre inmitten müheloser Ausschweifungen zu verbringen. Die Landschaft der Hauptstadt war in jenen jugendlichen Tagen prächtig, verbracht mit abendlichen Banketten und morgendlichen Freuden an der Seite wilder Gefährten, trinkend und singend ohne Gedanken an den Abschied.
  • Stanza 3 (Verse 21-29): Doch die Zeit ist seit dem Abschied wie ein Schiffchen geflogen; alte Ausflüge erscheinen wie flüchtige Träume, getrennt durch grenzenlose Weiten aus Nebel und Wasser. An das Streben nach Ruhm und Gewinn gebunden, ist der Sprecher abgehärtet und gefangen geworden. Sich an die Vergangenheit zu erinnern, verdunkelt sein Gesicht nur mit Schmerz. Während die Wasseruhr tropft und wechselt, ist eine leichte Kälte spürbar, gefolgt von den gedämpften, schluchzenden Tönen bemalter Hörner, die im Morgengrauen verblassen. Am müßigen Fenster sitzend, die Lampe beim Anbruch des Tages auslöschend, umarmt er im schlaflosen Verzweifeln seinen eigenen Schatten.

IV. Ästhetische Synthese und poetischer Nachklang

„Qi Shi“ gilt als das unbestrittene Meisterwerk aus Liu Yongs Spätzeit und repräsentiert den Höhepunkt der Fähigkeit des langsamen Ci-Gedichts zu romanhafter erzählerischer Tiefe und psychologischem Realismus. Indem er die Techniken des deskriptiven Tempos, historischer Anspielungen und ungeschminkten autobiografischen Bekenntnisses miteinander verbindet, verwandelt Liu Yong persönliches Bedauern in eine universelle Meditation über die Tragödie des wurzellosen Literatenlebens. Der verweilende Nachklang ist einer von tiefem Trostlosigkeit – die sterbende Lampe, das schluchzende Horn und der einsame Schatten verschmelzen zu einem unvergesslichen Porträt künstlerischer Brillanz, die von Zeit und Ernüchterung verzehrt wird.

Link in die Zwischenablage kopiert!